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Unsere Stiftung aktuell in der Presse

Ein Haus, das man nie brauchen möge

erschienen in 'Der Teckbote'

Veröffentlich am 28.11.2014
Autor: Andreas Volz

Auf einem unbebauten Grundstück in der Owener Braike soll 2015 das neue Katastrophenschutzzentrum des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim entstehen. Das Foto zeigt (von links) den DRK-Kreisverbandsvorsitzenden Rolf Siebert, das Stifterehepaar Anita und Ernst Tscheulin, den Planer und Bereitschaftsleiter Andreas Schober sowie Bürgermeisterin Verena Grötzinger. Foto: Jean-Luc Jacques

Im Owener Gewerbegebiet Braike soll ein Katastrophenschutzzentrum des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim entstehen. Das Grundstück dafür haben Ernst und Anita Tscheulin aus Owen gestiftet. Alle Beteiligten freuen sich über diese Lösung – und hoffen zugleich, dass das Zentrum für Katastrophenschutz nach Möglichkeit nie wirklich im Ernstfall benötigt wird.

Owen. Gesucht und gefunden haben sich das Ehepaar Tscheulin und der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. Die Vermittlerrolle hat Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger übernommen. Ernst und Anita Tscheulin hatten sich schon längere Zeit Gedanken darüber gemacht, wie sie ihren 29 Ar großen Platz in der Braike einmal der Allgemeinheit zur Verfügung stellen könnten. „Der erste Gedanke war so etwas wie ein Pflegeheim oder ein Haus fürs betreute Wohnen“, berichtet die Bürgermeisterin und fügt gleich hinzu, warum das nicht möglich war: „Aus rechtlichen Gründen geht das im Gewerbegebiet nicht.“

Weil sich die beiden Stifter, die seit über 60 Jahren miteinander verheiratet sind, ihrem Grundstück verbunden fühlen, wollten sie es aber nicht einfach gegen ein anderes Grundstück eintauschen, auf dem nach Bebauungsplan eine Einrichtung für Senioren möglich gewesen wäre. So kam es schließlich zum Kontakt mit dem Roten Kreuz und zu dem Gedanken, in der Owener Braike ein Katastrophenschutzzentrum zu errichten.

„Uns freut es sehr, dass so etwas auf unserem Platz da draußen passieren darf“, sagt Ernst Tscheulin. Seine Frau Anita ergänzt: „Und dass es in Owen ist.“ Genauso erfreut sind die beiden über die Pläne, die bereits vorliegen: „Das wird auch optisch etwas sehr Gutes.“ Anschließend spricht Ernst Tscheulin noch etwas besonders Wichtiges aus: „Wir hoffen, dass beim Bau alles gut geht und dass man das Gebäude hinterher möglichst wenig für den Ernstfall braucht.“

Über den denkbaren Ernstfall sowie über das geplante „Ernst-und-Anita-Tscheulin-Haus“ berichtet Ar­chitekt Andreas Schober in seiner Doppelfunktion als Planer sowie als DRK-Kreisbereitschaftsleiter: Fünf Einsatzeinheiten für den Katastrophenschutz gebe es im gesamten Landkreis Esslingen. Eineinhalb dieser Einheiten wiederum seien beim Deutschen Roten Kreuz im Altkreis Nürtingen angesiedelt. Angesichts dieser Struktur freut sich Andreas Schober über „eine tolle Geschichte, die wir hier beginnen“. Owen liege als Standort für das Katastrophenschutzzentrum sehr günstig. „Die Neckartenzlinger haben zwar etwas längere Wege“, aber ansonsten gebe es doch sehr viele Einsatzkräfte beim DRK, die schnell und unkompliziert nach Owen gelangen könnten.

Das Zentrum soll zum einen die speziellen Einsatzfahrzeuge für den Katastrophenschutz an einer zentralen Stelle beherbergen. Geplant ist auch ein Waschplatz für die Autos, sodass die Fahrzeuge nach einem Einsatz gleich an Ort und Stelle wieder auf  Vordermann gebracht werden können. Andererseits kommen Lager für die verschiedensten Materialien hinzu, die im Katastrophenfall benötigt werden – unter anderem zwei Feldküchen. Schulungsräume ergänzen das Raumprogramm. Außerdem soll noch eine Wohnung im „Ernst-und-Anita-Tscheulin-Haus“ entstehen – mit engem Bezug zum Projekt. Konkret heißt das, dass der Mieter so etwas wie die Hausmeistertätigkeiten übernimmt, auf jeden Fall aber in der Nähe ist, um ständig ein Auge auf das Objekt werfen zu können.

Zum ehrgeizigen Zeitplan für das 1,3-Millionen-Euro-Projekt führt Ar­chitekt Schober aus: „Wir stehen in den Startlöchern, um das Baugesuch noch in diesem Jahr einreichen zu können.“ Der Spatenstich solle bereits im ersten Quartal 2015 folgen und das Richtfest im zweiten Quartal. Bereits Ende nächsten Jahres solle sich das Gebäude nutzen lassen. Die Außenanlagen kämen später dran.

Nach denkbaren Katastrophen befragt, bei denen sich das Zentrum als nützlich erweisen könnte, nennt Kreisbereitschaftsleiter Schober Hochwasser, einen großflächigen Stromausfall oder auch mögliche Katastrophen am Flughafen, auf der Autobahn oder an der ICE-Trasse – sei es bei deren Bau oder bei deren späterer Nutzung. Natürlich will auch Andreas Schober diese Katastrophen nicht heraufbeschwören. Aber er will dazu beitragen, dass der Kreis gewappnet ist, sollte einer dieser Ernstfälle jemals doch eintreffen.

Im Vordergrund steht für ihn die Betreuung von Personen, die durch die Katastrophe in eine hilflose Lage geraten. Am Beispiel Stromausfall führt er aus, dass dann im Winter so gut wie keine Heizung mehr funktionieren würde. Außerdem kommen in diesem Szenario wieder die Feldküchen des DRK ins Spiel, die eigentlich gar nicht zum Katastrophenschutz-Pflichtprogramm gehören würden. Aber sowohl die Helfer als auch die Betroffenen müssten im Katastrophenfall etwas zu essen bekommen.

Rolf Siebert, der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim, geht noch näher auf die Finanzierung ein: Der Katastrophenschutz sei eigentlich eine staatliche Aufgabe. Es gebe aber private Organisationen wie das Rote Kreuz, die solche Aufgaben übernehmen. In diesem Fall stelle das Land Baden-Württemberg die Fahrzeuge zur Verfügung. Für die Unterbringung sei allerdings das DRK selbst zuständig. Der Verein sei dafür auf Spenden und Zuwendungen angewiesen.

Besonders erfreut zeigt sich Rolf Siebert über „die großzügige Zuwendung in Form eines Grundstücks“. Dadurch habe der DRK-Kreisverband jetzt für den Katastrophenschutz eine vernünftige Lösung vor Augen, „von der wir bisher nur geträumt haben“. Die Finanzierung des Baus sei aber noch nicht ganz geklärt: „Da brauchen wir also Schulden oder Spenden.“ Im Gegensatz zum „wirtschaftlichen, aber trotzdem gemeinnützigen“ Zweig des DRK, der zum Beispiel Pflegeheime betreibt, sei der Katastrophenschutz bei dem Teil des Vereins angesiedelt, der sich von Beiträgen und Spenden finanziert.

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Pflegeheim ist jetzt Eigentum der DRK-Zukunfts-Stiftung

erschienen in 'Der Teckbote'

Veröffentlich am 04.02.2014
Autor: WOLF-DIETER TRUPPAT

Nach außen hat sich nichts verändert, und auch für die Bewohner bleibt alles beim Alten. Dennoch hat eine entscheidende Änderung stattgefunden: Die traditionsreiche Pflegeeinrichtung Fickerstift gehört nicht mehr der Stadt, sondern ist jetzt Eigentum der DRK-Zukunfts-Stiftung Nürtingen-Kirchheim.

Kirchheim. In einer kleinen Feierstunde gedachten Vertreter des DRK-Kreisverbands und der DRK-Zukunftsstiftung als neue Eigentümer und der Kirchheimer Stadtverwaltung als Verkäufer dem Mann, dessen großzügiges Vermächtnis das alles erst möglich machen konnte: Kurt Stocker aus Kirchheim hatte nach dem Tod seiner Frau verfügt, dass sein gesamtes Vermögen später einmal dem Wohle der Allgemeinheit zugute kommen soll. Rat suchend wandte er sich an Notar Dieter Straub. Nach mehreren Sondierungsgesprächen war es dann im Jahr 2008 zur Abfassung eines Testaments zugunsten der DRK-Zukunftsstiftung gekommen.

„Wir sind Kurt Stocker für sein großzügiges und außergewöhnliches soziales Engagement in tiefer Dankbarkeit verbunden“, stellte der stellvertretende Stiftungsvorstandsvorsitzende Werner Löffler fest und zeigte sich erfreut darüber, „dass wir seinen testamentarisch verfügten Willen hier in seiner Heimatstadt Kirchheim mit dem Erwerb des Fickerstifts erfüllen konnten“.

Bevor er die interessante Persönlichkeit des bescheidenen Stiftungsgebers näher vorstellte, machte er keinen Hehl daraus, dass sich angesichts einer ganzen Reihe schwieriger Sach- und baurechtlicher Fragen die Verhandlungen mit der Stadt länger hingezogen hätten als zunächst gedacht. Er dankte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker aber uneingeschränkt für die stets kons­truktive und faire Verhandlungsführung.

Nach einer vorausgegangenen Phase monatelanger Unsicherheit, in der Stefan Wiedemann, Geschäftsführer der DRK-Seniorenzentren, weder Bewohnern noch Mitarbeitern des Hauses hatte sagen können, wie es weitergeht, habe der im November gefallene Beschluss des Kirchheimer Ratsgremiums, das Fickerstift zu verkaufen, für ein erleichtertes Aufatmen gesorgt.

Den Erwerb des Seniorenzentrums bezeichnete er als zukunftsweisende Lösung, die die Voraussetzungen dafür schaffe, dass der DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim weiterhin seine seit 1988 erfolgreiche Arbeit als Betriebsträger dieses Hauses fortsetzen könne. Damit können die Bewohner des Fickerstifts in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und weiterhin von den ihnen bekannten Personen betreut werden, deren Arbeitsplätze durch den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen jetzt ebenfalls gesichert sind.

Die Oberbürgermeisterin bestätigte, dass hier ein für beide Seiten gutes Ergebnis erreicht und zugleich ein guter Weg gefunden wurde, die Bemühungen der Verwaltung fortzusetzen, sich von Immobilien zu trennen, die nicht in das Aufgabengebiet der Stadt gehören. Im Fall des altehrwürdigen Fickerstifts hatte das Ratsgremium im Wissen um die Fortführung der bewährten Arbeit in der Pflegeeinrichtung einstimmig für einen Verkauf votiert. Vertragliche Rahmenbedingungen aus dem Jahr 1990 verhinderten, dass der Pachtzins weiter erhöht wird. Das hätte bedeutet, dass die Stadt künftig jeden Pflegeplatz im Fickerstift hätte bezuschussen müssen, da die Kosten für die Instandhaltung inzwischen die festgeschriebenen Pachteinnahmen überschreiten.

Sehr beeindruckt zeigte sie sich von dem vom stellvertretenden Stiftungsvorstandsvorsitzenden Werner Löffler gezeichneten „Porträt eines Bürgers, den wir nicht kennen“. Eine bei der Feierstunde vorgestellte Gedenktafel wird künftig an ihn erinnern und die Umbenennung der Einrichtung, „Seniorenzentrum Fickerstift im Kurt-Stocker-Haus“ den testamentarisch erklärten Willen erfüllen, ohne dass der als Kirchheimer Traditionsmarkenzeichen bekannte Name aufgegeben werden müsse.

1926 in Tübingen geboren, in Nürtingen aufgewachsen und aus bescheidenen Verhältnissen stammend, absolvierte Kurt Stocker nach der Schulzeit eine Lehre als Industriekaufmann, geriet dann aber schnell in die Wirrnisse des Krieges. Nach Einsätzen in Frankreich, Belgien, Polen und an der Heimatfront kehrte er schließlich 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück.

In der Nachkriegszeit erkannte Kurt Stocker nicht nur früh, dass es eine lohnende Sache sein könne, Ersparnisse konsequent und über lange Zeiträume hinweg in Aktien zu investieren, sondern bewies dabei zweifellos auch großes Geschick. „Als ehemaliger Banker kann ich da nur den Hut ziehen,“ stellte Werner Löffler angesichts des entstandenen Wertpapiervermögens fest. Dabei habe der bescheiden, wenn nicht gar spartanisch lebende Spender, dessen Erscheinungsbild eindeutig „in krassem Gegensatz zu seiner Vermögenssituation stand“, sich – „soweit nachvollziehbar“ – aus diesem Vermögensstock nichts gegönnt. Sein eigenes Wertpapierdepot habe er wie fremdes Eigentum behandelt.

Nach dem Abschluss seines Testaments zugunsten der DRK-Zukunftsstiftung habe Kurt Stocker lebhaftes Interesse an der Arbeit des Roten Kreuzes gezeigt und im Frühjahr 2010 mit einer Reise nach Solferino auch die Geburtsstätte der Rot-Kreuz-Bewegung besucht.

Sein Leben lang dankbar dafür, dass er die Wirren des Krieges unverwundet überstanden hatte, war der gläubige und bei der Neuapostolischen Kirche aktive Kurt Stocker beim Besuch der Gedenkstätten der Schlacht von Solferino tief bewegt, beeindruckt und im Blick auf seine testamentarische Verfügung froh und erleichtert gewesen, diesen Schritt getan zu haben. Ein Jahr später starb dann der Mann, an dessen Leben eine Gedenktafel im Gebäude erinnert und dessen Name nun für immer unzertrennlich mit dem „Seniorenzentrum Fickerstift im Kurt-Stocker-Haus“ verbunden sein wird.

  DRK Zukunftsstiftung Nürtingen-Kirchheim/Teck | Laiblinstegstr. 7 | 772622 Nürtingen | Tel. 07022/7007-20